Linkes   Forum Hamm

Verkehr. Umwelt. Klima  

"Die Globalisierung des Tempowahns"

Donnerstag, 19. November 2009 um 19:30 Uhr

Buchhandlung Akzente, Oststraße 13, 59065 Hamm


Buchvorstellung:

Winfried Wolf

Dr. phil. Winfried Wolf, Jahrgang 1949, Diplompolitologe, lebt und arbeitet als freier Journalist bei Berlin. 

Zwischen 1994 und 2002 war er Abgeordneter der PDS im deutschen Bundestags. Wolf ist Mitglied im wissenschaftlichen Beitrat von Attac-Deutschland.

Darüber hinaus arbeitet er für  “Zeitung gegen den Krieg” (Mitherausgeber) und „Lunapark 21. Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie“ (Chefredakteur).




         „Verkehr – Umwelt – Klima“ gilt als Standardwerk zur                        Geschichte und Gegenwart des Verkehrs,  das                nun in zweiter, aktualisierter Auflage vorliegt.

Promedia Verlag 2009

Gerade in den aktuellen Zeiten der Krise der Autoindustrie und der Schiffahrt muss man sich vor Augen halten: Ein Mensch legt heute im Jahr mit 12.000 Kilometer eine doppelt so lange Wegstrecke zurück wie vor 30 Jahren. In einem Joghurtbecher stecken 2009 rund 50 Prozent mehr Transportkilometer als im Jahr 1987. Was früher als tote Kosten bezeichnet wurde, gilt heute als zivilisatorische Errungenschaft. Die Verfügbarkeit von Waren aus aller Welt an jedem Ort zu Dumpingpreisen wird als persönliche Bereicherung und kultureller Fortschritt empfunden.

Winfried Wolf zeichnet die Geschichte des Verkehrs seit ihren Ursprüngen nach. Er beschreibt den folgenschweren Siegeszug von Öl- und Fahrzeugkonzernen. Der Autor sieht in der gegenwärtigen Struktur des Transportsektors die Konkretisierung des modernen Kapitalismus. Für ihn stellt der explosionsartige Anstieg der Transporte auf Containerschiffen, zu dem es in den vergangenen zwei Jahrzehnten gekommen ist, den Kern der Globalisierung dar. Erst die stoffliche Verdichtung der Warenströme, der wiederum die enorme Beschleunigung und Verbilligung der Transporte zugrunde liegt, ermöglichte die heute so charakteristische extrem arbeitsteilige Produktionsweise.

Anders als vor zwanzig Jahren ist in der offiziellen Verkehrspolitik nun viel von Nachhaltigkeit und von einem „Vorrang Schiene” die Rede. Doch die konkrete Entwicklung der Verkehre verläuft in die entgegengesetzte Richtung: der Autowahn  wird verallgemeinert,  Billigfliegerei subventioniert und Eisenbahnen privatisiert..

Winfried Wolf plädiert für eine radikal andere Verkehrspolitik: Die pro Person zurückgelegten Kilometer und die je Ware beinhalteten Transportkilometer können und müssen radikal reduziert werden. Allein eine solche Mobilitäts-Utopie ist zukunftsfähig.

 



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