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Lu Xun [Lu Hsün]:
Ich erinnere mich, um zu vergessen
Textlesung

Donnerstag, 20. März 2008, 20 Uhr
Zentralbibliothek,
Ostenallee 1-7, 59063 Hamm
Eine
weltweite Initiative der Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V.
Zum dritten Mal ruft die Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und
Politik Kulturinstitutionen, Radiostationen, Theater und interessierte Personen
zu einer weltweiten Lesung am 20. März auf - dem Jahrestag der politischen Lüge.
Im Mittelpunkt steht der Essay des chinesischen Schriftstellers und Vater der
modernen chinesischen Literatur Lu Xun (1881-1936) "Ich erinnere mich, um zu
vergessen".
Vom 8. bis zum 24.8.2008 feiert die Welt in Peking die
Olympischen Spiele 2008. Zu diesem Anlass ist es sinnvoll, auf die Zensur, das
verordnete Schweigen zu Themen der jüngeren Geschichte Chinas, auf die enorm
hohe Zahl von Todesurteilen, auf Tibet, auf die Zusammenarbeit mit dem Regime im
Sudan und nicht zuletzt auf die Gefängnisstrafen für Bürgerrechtler hinzuweisen.
Erst vor wenigen Wochen ist der wegen seines Einsatzes für HIV-Infizierte und
Menschenrechte bekannt gewordene 34-jährige Aktivist Hu Jia nach halbjährigem
Hausarrest festgenommen worden.
China ist heute ein Land ohne Erinnerung,
wenn es um bestimmte Themen geht. Der 4. Juni 1989, das Tian'anmen-Massaker, ist
der überwiegenden Mehrheit der Menschen, die in den 90er Jahren in China
aufgewachsen sind, kein Begriff. Die Kulturrevolution darf nicht erforscht
werden. Eine öffentliche Erinnerung an die 500.000 Intellektuellen, die während
der Kampagne "Hundert Blumen" in den Jahren 1956 und 1957 ins Gefängnis oder in
die Arbeitslager kamen, ist nicht erlaubt. Die Regierung predigt Harmonie und
Vorwärtsgewandtheit. Indessen beginnt ihr nun Lu Xun (1881 - 1936), der Vater
der modernen chinesischen Literatur, ihr vermeintlicher Gewährsmann der
Revolution, suspekt zu werden, hat er doch die Chinesen immer wieder zur
Erinnerung aufgerufen. Das Erziehungsministerium der VR China hat im Sommer 2007
begonnen, bestimmte Texte von Lu Xun, die sich im Lichte des 4. Juni 1989 lesen
lassen, aus den Schulbüchern zu streichen und durch Rittergeschichten von Jin
Yong zu ersetzen. Lu Xun war Zeit seines Lebens von der Zensur bedroht. Weil
auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Lüge - hier: das verordnete Schweigen -
zum Instrumentarium bestimmter Politiken gehört, muss deutlich gemacht werden,
dass die Kräfte nicht erlahmen, die sich gegen sie verwahren.
Aus Anlass
des dritten Jahrestages des Kriegsbeginns im Irak hatte die Peter-Weiss-Stiftung
erstmalig am 20. März 2006 eine weltweite Lesung initiiert. An diesem "Jahrestag
der politischen Lüge" wurde Eliot Weinbergers "Was ich hörte vom Irak" in
Veranstaltungen und über Radio-Sender gelesen. Am 20. März 2007 hörten über 1,2
Millionen Menschen zwei Reportagen von Anna Politkovskaja
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